Interview mit dem Nähstübchen

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1.       Magst du uns ein bisschen über dich erzählen? Bspw. bist du Marburgerin, was ist deine Ausbildung, wie kamst du dazu ein Nähstübchen zu eröffnen?

Ja, ich bin in Marburg geboren aber in Amöneburg aufgewachsen. Habe mit 9 Jahren zu meiner Handarbeit-Lehrerin schon gesagt, dass ich Schneiderin werden wollte, nachdem ich mir eine Schlaghose mit „Hinten-Reißverschluss“ genäht hatte. Mit 15 Jahren musste ich ein Schulpraktikum machen und bin beim „Modehaus Padua“ gelandet. Der Chef sagte damals zu meiner Mutter: „Die Steffi nehmen wir in Ausbildung.“ Ja, und dann war ich bis 1986 im „Modehaus Padua“. 1984 habe ich Meisterprüfung gemacht, da mein Chef gestorben ist. Ich bekam einen Anruf von jemandem, der mit mir den kaufmännischen Teil der Meisterprüfung gemacht hat. Er hatte den absoluten Job für mich, das war dann der „Verein für außerbetriebliche Ausbildung“ da wurden lernschwache und verhaltensauffällige Jugendliche ausgebildet. Dort habe ich 2 mal 3 Jahre als (von 1986 bis 1992) Ausbilderin gearbeitet. 1989 meinte die Sozialarbeiterin vom Waldtal zu mir, dass die Mütter meiner Auszubildenden auch nähen lernen wollten, so bin ich zu den VHS-Kursen gekommen, die ich bis heute gebe.

1991 ist meine Tochter geboren und ich bin mit ihrem Vater 1992 in den Westerwald gezogen. Da habe ich Leute kennen gelernt, die meinten, ich wäre gut für das „Anonyme Sorgentelefon“ geeignet. Es gab eine einjährige Ausbildung dafür mit über 100 Std. Selbsterfahrung. Das habe ich dann 3 Jahre einmal in der Woche gemacht. Dann wurde mir vorgeschlagen ich könnte ja im „Kinder und Jugendheim“ als Pädagogische Zusatzkraft arbeiten, was ich auch gemacht habe. Nach einem halben Jahr hörte eine Erzieherin auf und ich bekam ihren Job, für viereinhalb Jahre.

Ich hatte sooooooo ein Heimweh nach Marburg und habe im August 2001 die Wohnung gefunden, in der wir auch heute noch wohnen. Habe dann zweieinhalbe Jahre im „Kunsthaus Käfer“ gearbeitet, den Besitzer kannte ich gut, er hat mir das angeboten.

2004 in August hatte ich einen Motorrad Unfall und war erst mal 3 Monate unfähig.

2.       Seit wann gibt es das Nähstübchen und wie würdest du den Menschen, die das Nähstübchen nicht kennen, das Konzept erklären?

Im Oktober 2004 kam mir morgens bei einem Kaffee und ner Zigarette die Idee mit dem Nähstübchen. Der Laden stand schon ein Jahr leer und ich hatte Lust was mit Leuten zu machen. Also habe ich ein Selbst-Näh-Konzept entworfen, zeigte es meinem Vermieter und der sagte, dass das genial sei und mich unterstützen würde, wo er könne. Weihnachten sind die Tische gebaut worden. Ich wollte, dass es gemütlich wird und die Leute sich hier wohl fühlen. An 15.01.2005 habe ich aufgemacht. Im Nähstübchen verbringen die Leute ihre Freizeit, ich erkläre das so, dass sie ihre Kleidung hier unter Anleitung reparieren, abändern und auch neu nähen können. Für die Nerven gibt es einen Kaffee und Kekse, da sind die meisten am Schmunzeln. Mit der Resonanz der Kunden bekomme ich einiges zurück, wieder jemand glücklich gemacht - die gehen alle mit einem Lächeln hier raus.

Seit 2001 gebe ich Kindernähkurse über die “Jugendförderung Marburg“, dort war ich auch mal die Kinder Hexe vom Haus der Jugend. Die damalige Chefin war bei mir im VHS Kurs und kannte meine jetzige Chefin von der Bootswerft, so bin ich 2008 in der „Marburger Bootswerft“ gelandet, dort bin ich bis heute.

3.       Wie ist die Resonanz auf das Nähstübchen? Gab es im Laufe der Jahre eine Veränderung dabei, wie die Menschen das Nähstübchen angenommen haben?

Ich habe hier schon viel Stammkunden, aber es gibt immer volle Tage und auch weniger oder mal niemand, ich denke mal das ist zum Alltag geworden. Habe aber immer was zu tun.

4.       Wie wichtig findest du es, dass Menschen ihre Kleidung selbst nähen und/oder reparieren können?

Es ist wichtig in der heutigen „Wegwerf-Zeit“ den Leuten bewusst zu machen, das Kleidungstück zu erhalten. Da kommen auch viele die genau das möchten. Ich finde echt gut, dass Leute selbst nähen.

5.       Welchen Beitrag kann ein Nähstübchen wie deines zum Umweltschutz beitragen?

Ich nehme alte Kleidung an, die werden als Flicken verwendet, es wird hier recycelt und somit weniger weggeworfen.