Bericht 4.Woche #Plastikfasten

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Thema der letzten Woche beim #plastikfasten war: Kleidung.

Spontan fragst du dich vielleicht, was Plastik überhaupt mit Kleidung zu tun hat? Tatsächlich eine ganze Menge, wie wir festgestellt haben! Denn mehr als 60 Prozent der heutigen Kleidung enthalten synthetische Fasern aus Erdöl, die biologisch nicht abbaubar sind. Wirf mal einen Blick in deinen Kleiderschrank und du wirst feststellen, dass viele deiner Kleidungsstücke einen hohen Polyesteranteil haben. Und das nicht ohne Grund: Polyester ist in seiner Herstellung und Verarbeitung sehr günstig und gilt damit als der Motor von Fast Fashion. Und Fast Fashion ist ein Geschäftsmodell mit verheerenden sozioökonomischen und ökologischen Folgen. Hast du eigentlich eine Vorstellung wie viele Kleidungsstücke pro Jahr produziert werden? Es sind 100 Milliarden jedes Jahr! Das geht nur, weil Polyester so günstig ist, die Herstellung der Klamotten auf der Ausbeutung von Arbeitskräften und dem Einsatz gefährlicher, günstiger Chemikalien in Ländern mit schwachen und/oder leicht umgehbaren Sozial- und Umweltstandards beruht.

So kommt es, dass über 90% unserer Kleidung aus asiatischen Ländern stammt und bspw. zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen verschmutzt sind. Gift- und Schadstoffe der Herstellungsproduktion von Kleidung landen im Trinkwasser und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die dort lebenden Menschen dar. Viele Tierarten sind von diesen Folgen existentiell bedroht. Lest in diesem Beitrag von Greenpeace alles dazu: https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/textilindustrie. In den letzten Jahren konnte auch die Detox-Kampagne von Greenpeace diesbezüglich einige Erfolge bezüglich der Entgiftung von Kleidung feiern: https://www.greenpeace.de/destinationzero.

Angesichts dieser Tatsachen fragst du dich zurecht: Warum FastFashion? Alles dafür, dass Großkonzerne immer mehr Profit aus schnell wechselndem Sortiment schlagen können und wir in westlichen Ländern sehr günstig dem nächsten Trend hinterherjagen können.

Was passiert mit der aus der Mode gekommenen Kleidung aber dann? Sie wird weggegeben und entsorgt. Weniger als 1 Prozent (!) kann zu neuen Textilien recycelt werden. Die meisten Kleidungsstücke werden – aufgrund des hohen Kunststoffanteils – zu Dämmmaterial oder Putzlappen weiterverarbeitet oder auf Second-Hand-Märkten angeboten. Laut Fairwertung werden in Deutschland jedes Jahr ca. eine Million Tonnen Altkleider in Altkleidercontainer oder Sammlungen gegeben. Seit Mitte der 1990er Jahre ist das jährliche Sammelaufkommen an Textilien sogar um mehr als 20% gestiegen. (https://fairwertung.de/zahlen.2/index.html, aufgerufen am 31.03.19). So wie das Sammelaufkommen wächst, wächst auch der Import von Gebrauchtkleidung in afrikanischen Ländern. Uganda, Ruanda und Tansania haben bereits Versuche gestartet, den Import dieser Gebrauchtkleidung zu verbieten, um die nationale Textilindustrie zu stärken. (https://www.dw.com/de/ostafrika-k%C3%A4mpft-weiter-gegen-second-hand-kleidung/a-42744807, aufgerufen am 31.03.19).

Ein massives Problem von FastFashion steht in direktem Zusammenhang zu unserer plastikfasten-Aktion (https://www.facebook.com/events/536991476792292/) und heißt: Mikroplastik. Bei jedem Waschgang brechen Kunststofffasern ab und gelangen, ähnlich wie bei Kosmetik, ungefiltert ins Abwasser. Wusstest du, dass das in Europa 30.000 Tonnen Kunststofffasern pro Jahr sind, die in Abwässer, im Meer, in Tiermägen und in unserem Trinkwasser landen? Das ist deswegen so verheerend, weil Mikroplastik nicht verrottet, sondern nur immer noch kleiner wird. Greenpeace konnte im Sommer 2018 Mikroplastik in der Antarktis nachweisen. Andere Studien ergaben, dass Mikroplastik in den Schweizer Alpen und in den unbekannten Tiefen der Tiefsee zu finden ist. Bekannt ist außerdem, dass Mikroplastik auch andere Chemikalien anzieht. Welche Auswirkungen dieser giftige Cocktail hat, sind nicht genau abzusehen.

Die Gründe sind also zahlreich, sich von Polyester aus Klamotten der Fast Fashion zu verabschieden. Wie das geht ist eigentlich recht einfach und macht richtig viel Spaß! Beispielsweise kannst du komplett auf Gebrauchtkleidung umsteigen: Wo bekommst du in Marburg Second Hand Kleidung her? Entweder, du stöberst auf Flohmärkten, besuchst Kleidertauschpartys oder gehst in einen der Second Hand Läden. In Marburg findet jeden letzten Samstag eines Monats der Flohmarkt auf dem Gelände der Waggonhallen statt, im Knubbel Marburg gibt es immer wieder einen Indoor Nachtflohmarkt und auch auf social media findet man in lokalen Flohmarkt-Gruppen immer wieder tolle Sachen. Kennst du noch mehr Flohmärkte? Wenn du deine Klamotten tauschen möchtest, kannst du auf eine Kleidertauschparty gehen! Am 7.4. findet um 10 Uhr in der Musikschule Klassika die Frühjahr/Sommer Kleidertauschparty statt (https://bit.ly/2FP7yC1) und schon eine Woche später, am 14.4. veranstaltet das KFZ Marburg in seinen Räumen eine Kleidertauschparty (https://bit.ly/2V6Ntwd)! In Marburg gibt es allein in der Innenstadt außerdem über 5 Second-Hand-Läden. Eine Liste mit Geschäften findet ihr hier: https://flohmarkt-marburg.de/secondhand-bekleidung-in-marburg/?fbclid=IwAR3pTPrYclmg0WGgocstAFfsUqJSxhINaTFswCc655KCYaIVD9tsaE1vwrk Weißt du von noch mehr Flohmärkten, SecondHand-Läden und Kleidertauschpartys? Lass es uns wissen!

Eine sehr sinnvolle Alternative ist es die Lebensdauer der eigenen Klamotten so lange wie möglich zu verlängern. Dafür kannst du beispielsweise zu einer der über 10 Änderungsschneiderein in Marburg gehen. Eine tolle Sache ist es, dir selbst beizubringen deine Klamotten zu flicken oder sogar selbst zu nähen. Das geht in Marburg zum Beispiel im Weidenhäuser Nähstübchen. Steffi bringt dir alles bei, was dein DIY-Herz begehrt oder du machst einfach das Nähpferdchen!

In dieser Woche haben wir auf jeden Fall gelernt, wie wichtig und wie einfach es ist, die Menge an Kunststofffasern in Klamotten zu reduzieren oder sogar ganz zu vermeiden. Wenn man darauf achtet seine Klamotten möglichst lange zu tragen, kann man sogar Geld sparen und seine Gesundheit schützen – und das obwohl qualitativ hochwertige Textilien mit Naturfasern erstmal teurer sind.