Bericht 2.Woche #Plastikfasten

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Die ersten zwei Wochen unseres Selbstversuchs #plastikfasten sind vorüber. In der letzten Woche haben wir uns ausführlich damit beschäftigt, wie viel Müll in Deutschland und im Rest der Welt anfällt und wo zum Beispiel die Hauptproblemzonen  bei der Produktion und Freisetzung von Mikroplastik liegen. In dieser Woche ging es uns und unseren Versuchspersonen vornehmlich darum, inwieweit Plastikmüll in Bezug auf Lebensmittel vermeidbar ist und konkreter darum Mittel und Wege zu finden, wie die oder der Einzelne mit relativ wenig Aufwand auf dieses Ziel hinarbeiten kann.

Noch einmal kurz zur Rekapitulation: Warum eigentlich auf Plastik verzichten? Plastik bzw. verschiedene Kunststoffe als solche sind wunderbare Werkstoffe: günstig, stabil, lange haltbar. Und genau darin liegt das Problem, wenn Plastik in die Umwelt gelangt zersetzt es sich nur sehr langsam wieder in seine Einzelteile und bleibt über einen sehr langen Zeitraum in den verschiedenen Ökosystemen erhalten. Ist es in die Umwelt freigesetzt, so hat Plastik insofern negative Folgen auf diese, als es (insbesondere in Form von Mikroplastik) von Tieren wie z.B. Fischen oder Vögeln aufgenommen wird und dort unter anderem als eine Art Schwamm für giftige Substanzen wie Quecksilber dient. Auch verwechseln viele Tiere Plastikteile mit Nahrung und verhungern auf diese Weise, da sie das Plastik nicht verstoffwechseln können und weniger „echte“ Nahrung aufnehmen.

 

Doch nun zum eigentliche Thema dieser Woche: plastikfreie Lebensmittel. Je nachdem welche Lebensmittel wir kaufen möchten, ist es mehr oder weniger schwierig auf Plastik zu verzichten. Besonders einfach fiel es unseren plastikfreien Tester*innen bei Obst und Gemüse: Sowohl in Supermärkten, als auch auf dem Wochenmarkt, der in Marburg übrigens zwei Mal wöchentlich stattfindet, ist es vollkommen unproblematisch eigene Obst- und Gemüsenetze aus Baumwolle mitzubringen. Diese sind leicht und einfach zu verstauen. Sobald man sich daran gewöhnt hat ein solches immer mitzunehmen, gibt es keinen Unterschied mehr zum Einkaufen mit Plastik. Etwas schwieriger wird das Ganze dann für Käse, der ja in Supermärkten so gut wie immer in Plastikverpackungen eingepackt ist. Doch auch hier ist das plastikfreie Einkaufen nur auf den ersten Blick schwieriger. Brachten unsere Tester*innen ihre eigenen Dosen mit an die Frischetheke im Supermarkt oder auf den Wochenmarkt, so war es ihnen leicht möglich auf Plastik zu verzichten. Die meisten Supermärkte oder Marktstände sind dem Mitbringen eigener Verpackungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Einzig zu beachten hierbei: In manchen Läden ist es aufgrund der Hygienevorschriften verboten mitgebrachte Dosen hinter die Theke zu geben, sie müssen dann oben auf der Ablage stehen bleiben. Bei anderen Lebensmitteln, zum Beispiel Nudeln, Reis oder Linsen, schien es den meisten von uns zu Beginn etwas komplizierter so ganz ohne Unverpacktladen. Doch auch hier fand sich schnell eine Lösung: Reis und Linsen gibt es oft für wenig Geld ohne Verpackung in Supermärkten wie in Marburg z.B. im gutkauf in der Biegestraße oder im Obst&Gemüse-Laden in der Straße vom Erlenring zu kaufen. Bloß einmal kurz nachfragen, ob es okay ist das eigene Gefäß zu nutzen und auch dann geht hier der plastikfreie Einkauf sehr problemlos vonstatten.

Ein paar weitere Tipps die unsere Tester*innen gesammelt haben sind die Folgenden: Anstatt der Plastikflasche für das Wasser unterwegs einfach eine eigene Trinkflasche aus Glas oder Metall mitnehmen, die lässt sich unterwegs auch oft in Läden auf Nachfrage auffüllen, manche haben sogar außen einen Aufkleber an der Tür oder im Schaufenster auf dem dies gekennzeichnet ist. Ein weiteres beliebtes Getränk unterwegs: Coffee to go. Auch dieser schmeckt, wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, im eigenen Becher oder Thermobecher nicht nur besser, er bleibt auch länger heiß.

Unser Fazit für diese Woche: plastikfreie Lebensmittel einkaufen scheint auf den ersten Blick gar nicht so einfach, es gibt viel zu beachten und zu bedenken und bevor wir uns näher damit auseinandersetzten, um ehrlich zu sein quasi unmöglich, zumindest nicht ohne einen immensen Aufwand. Doch nach den ersten beiden Wochen ohne Plastik fällt auf: Bei einigen Dingen müssen wir durchaus überlegen und uns austauschen, um einen Weg zum plastikfreien Einkauf zu finden. Aber die meisten Dinge gibt es auch ohne Plastik oder sogar ganz ohne Verpackung im „normalen“ Einzelhandel. Doch nicht alles lässt sich ohne weiteres besorgen: So ist es uns zum Beispiel noch nicht gelungen plastikfrei Tofu einzukaufen. Auch hier ließ allerdings eine, zugebenermaßen etwas aufwändigere Lösung, nicht lange auf sich warten: Tofu einfach selber machen (Die Anleitung hierzu gibt es auf unserer Facebookseite)! Wir können also schlussfolgern: Leben(smittel) ohne Plastik – das geht!

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