Abschlussbericht #Plastikfasten

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Thema: Zusammenfassung der Plastikfasten-Aktionen der Greenpeace-Gruppe Marburg

Ein wichtiger erster Hinweis unseres Plastikfasten-Projekts war von Beginn an: Wir brauchen nicht eine Person, die alles perfekt macht, sondern ganz viele, die es schon ganz gut machen! Von heute auf morgen lässt sich das Leben nicht auf plastikfrei umstellen. Doch die sieben Wochen der Fastenzeit sind nun vorüber und haben gezeigt, dass es innerhalb dieses Zeitraumes durchaus möglich ist, neue Möglichkeiten ressourcenschonenderen Konsums und nachhaltigeren Lebensstils zu entdecken. Denn in dieser erkundungs- und lehrreichen Zeit konnten wir einiges mit auf den Weg nehmen und erhoffen uns selbstverständlich auch, dass ihr ebenso von unseren Tipps und Tricks profitieren konntet wie wir.

Über verschiedene Social Media Kanäle, jedoch auch auf Veranstaltungen wie etwa unserem berührenden Filmeabend (Albatross), dem gut besuchten und spaßigen plastikfreien Picknick auf den Lahnwiesen, auf dem motivierenden Flohmarkt bei den Waggonhallen wie auch durch Interviews und andere Aktionen konnten wir mit euch teilen, in welchen Lebensbereichen wir etwas verändern können, wenn wir auf Plastik verzichten wollen. Diese Wochen waren es wert, mit euch geteilt zu werden, und wir danken euch für eure große Unterstützung und euer Interesse.

Dennoch gab es auch für uns selbst schon zu Anfang Schwierigkeiten: Unsere „Plastik-Problemzonen“ erstreckten sich auf zahlreiche Gebiete, so etwa Lebensmittel, Haushalt, Kosmetik, Mobilität und Kleidung. Hatten wir in der ersten Woche festgestellt, dass schon der frühe Morgen für den Otto-Normalverbraucher in Plastik versinkt – sei es in Form der Plastikzahnbürste oder des mikroplastikgefüllten Duschgels –, so mussten wir merken, dass auch schon der Weg zur Arbeit nur weiteren Plastikmüll verursacht – hier mal ein Coffee to go, dann wieder die Reifenabsonderungen des Autos oder Busses. Was man, endlich angekommen, dann in der Mensa oder andernorts zu sich nimmt, war mit ziemlicher Sicherheit einmal in Plastik verpackt. Nach Arbeit oder Uni noch schnell ein Einkauf, dann ab nach Hause, und in die bequeme Jogginghose schlüpfen – Moment, was ist eigentlich mit Kleidung? Um uns von dem ganzen Drama abzulenken, fangen wir also an, gemütlich etwas zu kochen; dabei fällt uns auf, dass die Mehrheit unserer Küchengeräte aus Plastik besteht. Damit wir dem Ganzen Abhilfe schaffen und dabei übersichtlich bleiben konnten, entschlossen wir uns deshalb, die geplante Plastikfastenzeit thematisch einzuteilen und uns jede Woche einem anderen Bereich zu widmen. Alles auf einmal geht nicht, aber nacheinander erschien es uns schon wesentlich einfacher:

04.03. - 10.03.: Achtsamkeitswoche/Sensibilisierug für das Thema/eigene Müllproblemzonen definieren/Filmvorführung "Albatross"

11.03. - 17.03.: #Lebensmittel

18.03. - 24.03.: #Haushalt/Putzen

25.03. - 31.03. #Kleidung

01.04. - 07.04. #Kosmetik

08.04. - 14.04. #Mobilität

15.04. - 21.04. #Stoffkreislauf/#Upcycling/#Recycling/ #DIY - Ostergeschenke

Über die empirisch belegten Probleme und Konsequenzen des weltweiten Plastikverbrauchs – wie auch dem oft unmöglichen Recyceln von Plastikprodukten – haben wir euch bereits in unseren ersten Berichten informiert. Nun geht es um die Konsequenz, die auch die Verbraucher*innen ziehen: Wie sieht ein Tag im Leben einer Person aus, die auf Plastik verzichtet? Jetzt wissen wir – einmal umgestellt, ist es gar nicht mehr so kompliziert.

Grundsätzlich gilt: Gebrauchsgegenstände aus Plastik nicht gleich wegwerfen, sondern ruhig aufbrauchen – doch wenn ihr sie ersetzen wollt, gern auf Holz, Bambus, Keramik und ähnliche Materialien zurückgreifen. Aber Plastik ist manchmal nicht sofort zu erkennen. Backpapier ist beispielsweise mit Silikon beschichtet. Wer nicht das Backblech einfetten will, findet in Ökoläden biologisch abbaubares Backpapier.

Beim Einkaufen von Lebensmitteln gern eigene Behältnisse mitbringen, oder gleich in Unverpackt-Läden einkaufen, von denen es auch in Marburg welche gibt.

Wenn ihr unterwegs seid (das am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß), denkt beispielsweise an Stoffbeutel, Dose, Wachstuch, Kaffeebecher und Mehrwegbesteckt – kann man immer gebrauchen. Kosmetika und plastikfreie Geschenke lassen sich problemlos selbst herstellen, was nicht nur Plastik, sondern auch Geld spart! Anleitungen hierzu haben wir in den vergangenen Wochen unter anderem auf Facebook ausprobiert und geteilt.

Was Kleidung angeht, werden in Marburg regelmäßig Kleidertauschpartys veranstaltet. Daneben gibt es ohnehin die Möglichkeit, zu Second Hand Kleidung zu kaufen oder beschädigte Bekleidung in einer Änderungsschneiderei reparieren zu lassen, wenn man keine eigene Nähmaschine besitzt. Die Lebensdauer eurer Produkte, egal ob Kleidung oder Haushaltsware, solltet ihr ohnehin so weit wie möglich verlängern. Auf Kunststofffastern in Klamotten zu verzichten, ist gar nicht so schwer – hochwertige Kleidung hält sich zudem auch deutlich länger.

Wenn ihr trotzdem mal etwas neu kauft oder gar online bestellt, achtet auf plastikfreien Versand und möglichst lokale Anbieter*innen. Alternativen für den Büro- und Unibedarf findet ihr ins unserem dritten Wochenbericht.

Zum Thema Kosmetik hat Greenpeace Marburg in den vergangenen Jahren immer wieder Aktionen veranstaltet, informiert, berichtet und plastikfreie Alternativen aufzeigen können. Nicht nur gibt es Rezepte für DIY Kosmetik im Internet – Beispiele findet ihr in unseren Social Media Kanälen –, sondern zusätzlich konnten wir die positive Erfahrung machen, dass es in Marburg zahlreiche zentrale kosmetische Produkte auch in lokalen Geschäften gibt – plastikfrei! Nachhaltig produzierte Seifenstücke gibt es sogar in Supermärkten, Deocreme und Shampoobars in Drogerien. Mit dem richtigen Kaufverhalten können wir der Kosmetikindustrie, so wie auch allen anderen oben genannten Industrien, auf die einfachste Weise signalisieren, dass uns ressourcenschonender Konsum am Herzen liegt und wir die unter anderem plastikbedingte Verschmutzung der Meere nicht länger akzeptieren.

Insgesamt zeigten viele Mitglieder unserer Gruppe große Kreativität bei ihrer Umstellung und nehmen sich vor, in Zukunft bei den gefundenen Alternativen zu bleiben – und weiterzuforschen! Plastikvermeidung ist ein schier unendliches Projekt. Doch es gibt Fortschritte und Möglichkeiten, die bei weitem nicht bei dem Verbot von Plastikstrohhalmen oder Plastiktüten enden.

Einige unserer DIY Rezepte, ob nun für Lebensmittel, Kosmetik oder Haushalt, findet ihr deshalb in den Bildern des vorliegenden Abschlussberichtes, so wie auch in unseren letzten Beiträgen und insbesondere auf Facebook. So widmeten wir uns in der letzten Woche der Frage, wie wir die Fastenzeit krönend abschließen können. Da es letztlich immer noch den österlichen Bezug der Fastenzeit gibt – auch wenn Plastikfasten natürlich konfessionslos und kulturell übergreifend wichtig ist ;-) –, haben wir uns einige spannende Alternativen zur herkömmlichen Weise, Geschenke zu basteln und zu verpacken, herausgesucht und für euch ausprobiert: Unter anderem Seedbombs, Pralinen, selbstgemachte Abschminkpads und nicht zu vergessen Alternativen für Verpackungen, zum Beispiel aus Papier oder einem schönen Stoff.

Selbstverständlich ist nicht nur Plastik ein großes Problem für die Umwelt. Es gibt Fälle, in denen Plastik sogar eine Alternative neben einer anderen darstellt; so etwa haben Einweggläser nicht unbedingt eine vorzeigbare Ökobilanz. Langfristig ist es deshalb ebenso erstrebenswert, sich der Zero-Waste-Bewegung anzuschließen und insgesamt ressourcenschonend zu leben. Wie wir gezeigt haben, geht das nur Step bei Step und indem man bereit ist, immer wieder dazuzulernen. Plastik versteckt sich an allen möglichen Orten und ist oft gar nicht so leicht zu erkennen; gemeinsam können wir uns jedoch immer wieder freundlich auf Alternativen hinweisen und Wege finden, umweltverschmutzende Produkte durch nachhaltige zu ersetzen. Hier und da gibt es auch für uns immer wieder kleine, ungelöste Problemzonen, doch um beim Anfangszitat zu bleiben: Viele schaffen viel! Wir danken nicht nur allen teilnehmenden Personen an unserer Plastikfasten-Zeit, sondern möchten an dieser Stelle auch noch einmal allen lokalen Akteur*innen in Marburg danken, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, sowie den wissenschaftlichen Studien, Artikeln, Sprecher*innen und Videos, auf die wir uns bei unserer Recherche beziehen durften. In diesem Sinne: #Plastikfasten goes on!