Endlager Ozean

Media

13 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr über unsere Flüsse ins Meer.  Laut Schätzungen haben sich dort bereits mindestens 150 Millionen Tonnen Plastik angesammelt. Wo sich diese Unmengen befinden ist allerdings auch den Forschern ein Rätsel. Fest steht aber, dass es in den Weltmeeren keinen Ort mehr gibt an dem man kein Plastik finden kann. Die Folgen für Umwelt und Ökosystem sind katastrophal.

Plastik vergeht nämlich nicht wie anderer Menschenverursachter Unrat - es bleibt bestehen. Über Jahre hinweg fängt es an durch Sonneneinstrahlung und Reibung spröde und brüchig zu werden.  Es zersetzt sich dann jedoch nicht sondern zerfällt in Mikroplastik.

Als solches gelangt das Plastik in die Nahrungskette und wandert von den Mägen des kleinsten Zooplankton bis in den des großen Blauwals und von den Tiefen des Mariannengraben in  luftige Höhen mit Basttölpel und Albatros.

"Dann ist dem halt so" könnte man entgegenhalten. "Wenn sich das Zeug nicht zersetzt dann kommt es halt oben rein und unten wieder raus - So einfach ist das!" - So einfach ist das allerdings leider nicht.

Plastik selbst ist zwar nicht zwangsläufig giftig aber bei der Herstellung von Kunststoff werden zum Teil gefährliche Zusatzstoffe (Additive) eingesetzt. Dies geschieht um dem Endprodukt bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Das sind beispielsweise Flammschutzmittel, Stabilisatoren, Füllstoffe, Farbpigmente oder Weichmacher die sich bei dem Zerfall des Plastiks wieder lösen und abgegeben werden.

Darüber hinaus besitzt Plastik die Eigenschaft wie ein Magnet für andere toxische Substanzen im umgebenden Wasser zu wirken. So binden sich unter anderem sogenannte POPs (persistente organische Schadstoffe) und PBTs (persistente bioakkumulative toxische Substanzen) wie Dioxine, chlororganische Pestizide und Nonylphenol an den Mikroskopisch kleinen Teilen und werden dann gebündelt als Giftcocktail mit dem Mikroplastik aufgenommen. 

Doch nicht nur im mikroskopischen Maßstab ist Plastik eine tickende Zeitbombe für das Ökosystem Meer. Längst häufen sich die Zeitungsartikel über riesige Müllstrudel auf unseren Ozeanen von denen der größte vermutlich der  „Great Pacific Garbage Patch“ im Nord-Pazifik ist. Er wurde 1997 entdeckt und hat mittlerweile die Größe von Mitteleuropa.

Auch im großen Maßstab verwechseln Tiere herumschwimmende Plastikteile wie Feuerzeuge, Plastiktüten und Flaschendeckel mit Nahrung. Diese Füllen ihre Mägen, haben jedoch keinen Nährwert. Sie können von der Magensäure nicht zersetzt werden, wirken wie ein Pfropfen  und so verhungern die Tiere mit vollen Mägen. Darüber hinaus wird häufig beobachtet wie sich Robben und andere Tiere in alten Plastikschnüren verfangen und sich strangulieren oder ertrinken.  

Trotz alledem hat die Plastikproduktion in den letzten 50 Jahren explosionsartig zugenommen. In den Jahren von 2005 bis 2015 ist die weltweite Plastikproduktion von 230 Millionen Tonnen auf 322 Millionen Tonnen produziertes Plastik im Jahr angestiegen (Plastics Europe, 2017). Viele Plastikprodukte werden nur für den einmaligen Gebrauch hergestellt.  Weggeworfenes Plastik landet auf Deponien, wird verbrannt oder recycelt. Ein Teil jedoch gelangt in Flüsse und über diese auch in die Meere – durch versehentliche oder absichtliche Müllentsorgung (auch von Schiffen aus), städtische Entwässerung, Oberflächenabfluss oder "Sickerwasser"  aus den Mülldeponien, sowie Abwasser aus Klär- oder Wasseraufbereitungsanlagen (Derraik, 2002). Wie das aussieht lässt sich leicht auch vor unserer Haustür betrachten. Macht man beim Sonntagsspaziergang an der Lahn entlang die Augen auf sieht man den Plastikmüll an jeder Ecke. Tritt die Lahn im Frühjahr durch die Schneeschmelze übers Ufer sind die Folgen besonders offensichtlich.

Darum wollen wir am 25.02.2017 nach dem Grundprinzip "Think Global - Act Local" zur Mülltüte und Zange greifen und die Lahn säubern. Schnappt euch alle die ihr könnt, kommt vorbei und räumt mit auf. Oder besucht uns einfach kurz am Stand und lasst euch von uns erzählen wie ihr selber vielleicht etwas weniger Plastik im Alltag verwenden könnt - oder wo ihr eventuell gar nicht merkt das ihr Plastik verwendet?

Treffen tun wir uns am 25. um 12Uhr am Hirsefeldsteg (das ist die Holzbrücke am Unistadion)

Wir freuen uns auf euch!

 

Mehr Infos zum Thema:

Factsheet "Plastik im Meer"

Report "Plastik in Fisch"

10 Tipps für weniger Plastik

Tags